Für alle Abenteuerlustigen und Interessierten !
Heute berichten wir von einer unserer intensivsten, anstrengendsten und ereignisreichsten Reise, die wir je angetreten haben. Wir waren im IRAN. Unsere Reisegruppe bestand aus Isolde und Udo und dem Reiseleiter. Ich fange einmal damit an, dass jeder Reisende in diesem Land einen guten Reiseleiter/Guide haben sollte, weil Sprache und Schriftzeichen, Zahlen und Hinweise für uns nicht identifizierbar sind. Einiges in der Öffentlichkeit ist auch in lateinischen Buchstaben lesbar, aber eben nicht so viel wie in Japan, China, Korea oder Taiwan, wo alles auch englisch ausgewiesen wird. Und wir hatten einen a u s g e z e i c h n e t e n Guide. Die Punkte laut Programm waren meist schnell abgearbeitet. Wir sind dann seinen Empfehlungen gefolgt und haben uns noch viel mehr angesehen. Diese zusätzlichen Kosten haben wir gern getätigt.
Für ein paar Souvenirs und das tägliche zusätzliche Essen und Trinken haben wir 200 € ausgegeben. Zum Thema Geld: Es fällt einem Euro-Nutzer schon schwer, mit der Währung klarzukommen ! Wir waren Millionäre, denn 200 € sind nun `mal 150 000 000 (Millionen) Rials oder 15 000 Toman, denn 1 € sind 75 Toman. Da kommt der gute Guide wieder ins Spiel. Er hat alles immer bezahlt und wir haben mit Ihm abgerechnet, denn was wieviel kostet, kosten darf oder uns abgeknöpft wird, kann der unerfahrene Tourist nicht einschätzen. Wieder ein Pluspunkt für unseren Guide. Im Übrigen: Kreditkarten gehen als Zahlungsmittel gar nicht, Euros selten.
Der Iran ist ein wuseliges, in den Städten sehr bevölkerungdichtes Land. Gefühlt waren wir i m m e r unter Menschen. Und alle Iraner scheinen sich als Brüder zu fühlen. Wo wir hingekommen sind, überall freundliche, herzliche, hilfsbereite und offene Menschen uns gegenüber. Fünf bis zehn Male am Tag wurden wir von Menschen jeden Alters angesprochen, in Gespräche verwickelt (zumeist gebrochenes Englisch oder auf Farsi mit Übersetzung durch den Guide), zum Essen und Teetrinken eingeladen oder um Fotos mit Ihnen und uns gebeten. Wir waren gefühlt schon das eine oder andere Mal peinlich berührt aber auch stolz so als bunte Hunde aus der Masse zu stechen . Und wenn die Iraner kein Wort englisch gesprochen haben, so konnten Sie doch alle “Welcome to Iran” rufen. Deutsche haben wir keine getroffen. U. a. Chinesen, Russen, Slowaken, Italiener, Kanadier haben wir erkannt.
Das Wichtigste bei einer Entscheidung in den Iran zu reisen ist eine Binsenweisheit, trifft aber für dieses Land mehr als bei anderen zu. Durch die etwas isolierte Stellung iranischer Bürger (kaum einer schafft es einen Pass geschweige denn ein Visum für das Ausland zu bekommen) ist alles etwas spezieller, besonders, anders als in den Nachbarländern. Man muss sich auf den Iran und seine Menschen einlassen und einlassen wollen. Vom Essen über den Verkehr, die Unterkünfte, das Verhalten der Menschen, die schier grenzenenlose Gastfreundschaft u. v . m. ist alles etwas anders, möglicherweise für den einen oder anderen nicht akzeptabel oder zu anstrengend. Wir waren 12-16 Stunden am Tag mit unserem Guide zusammen, sind einen ganzen Tag mit Deutschlehrerstudenten unterwegs gewesen, waren bei einer Abendparty mit 14 Iranern auf einer Dachterrasse, haben Tee mit einer persischen Damenwandergruppe im Park getrunken, haben bei einer Iranischen Familie (Ehepaar mit zwei Kindern) in der Dreizimmerwohnung im Kinderzimmer geschlafen und uns mit Ihnen Toilette, Abendbrot und Frühstück geteilt. Wir glauben zu wissen, dass mancher deutsche Urlauber diese Erfahrung nicht wünscht.
Iran ist kein Urlaubsland, Iran ist Abenteuer- und Erlebnisland. Chaotisch ist der Verkehr. Es geht in den Städten nur “Bumper to Bumper” also “Shadowtraffic”. Wer nicht fährt hat verloren. Vorfahrt hat der, der vor fährt. Zebrastreifen sind höchstens Empfehlungen. Einbahnstraßen gelten für Moped- und Motorradfahrer gar nicht und wir haben auch erlebt, dass Autofahrer das ignorieren. Das einzige was gilt, sind Ampeln. Vier oder fünf Leute auf einem Moped haben wir gesehen, ebenso drei Polizisten auf einem Zweirad. Es gibt den Verkehr scheinbar regelnde Polizisten, aber eigentlich machen die nichts, was verkehrsfördernd ist. Sie stehen zumeist nur hilflos herum. Und häufig steckten wir mittendrin in diesem Verkehrschaos. Alles wurde in den Städten und zwischen den Städten mit dem Taxi erledigt. Eine Fahrt in der Stadt kostet zwischen einer und zwei Millionen Rials/100-200 Toman (1,50 – 3 €). Wir waren geschätzte 3000 km im Taxi im Land unterwegs, bis zu 700 km an einem Tag. Einmal sind wir im Liegewagen mit dem Zug 550 Km vom Semnan nach Mashhad gefahren.
Wir waren in den großen Städten Teheran, Isfahan, Shiraz, Kashan, Semnan und der größten Stadt des Iran, in Mashhad. Angeschaut haben wir uns die historischen Stätten fünftausendjähriger Geschichte, wie z. B. in Persepolis und Pasargadae, haben uns am 09.05.25 durch …zigtausende Teilnehmer der Geburtstagsfeier für den Propheten Imam Reza (geboren am 09.05.768 – nach dem islamischen Kalender am 11. des Monats Dhu al-Hilja im jahre 148) in Mashhad gewühlt, um das Grabmahl, die Moschee und den Schrein zu sehen (600 000 qm Gelände), haben in der Kavir-Wüste bei der 2,5 Stunden Wanderung etwas gefröstelt, weil man uns vor Temperaturen über 40 Grad gewarnt hat, aber das Wetter auf viel Wind und unter 20 Grad mit Blitzen und Regentropfen umschlug und wir unter diesen Bedingungen etwas falsch angezogen waren, und haben eine Tageswanderung in die Karkas-Berge bis zu einem Bergsee auf 2500 m gemacht (10 km, allerdings davon 5 bergauf).
Ein Kapitel für sich ist das Essen im Iran. Es ist geprägt von viel Gemüse, Kräutern, Weizenfladenbrot und quarkartigen Käse, meistens von Ziege und Schaf. Man isst die Kräuter roh oder wickelt sie mit Gurke, Tomate und Käse ins Fladenbrot ein. Natürlich gibt es auch Rind-, Hühner- , Lamm- und Ziegenfleisch. Und natürlich im Islamischen Land kein Schweinefleisch. Fleisch ist mein Gemüse konnte ich da nicht so richtig ausleben. Es gibt viel Kuchen/Gebäck, alles meistens für unseren Geschmack viel zu süß.
Erstaunlich ist, was an Sachen getragen wird. Geschätzte 25 % tragen die traditionelle Kleidung Ihrer jeweiligen Volksgruppe oder Ihres Glaubens, 90 % der Frauen tragen ein Kopftuch, ca. 10 % keines. Da gebietet es die Höflichkeit, dass Isolde dort auch Kopftuch getragen hat. Von “Sittenpolizei” oder Glaubensfanatikern haben war absolut nichts mitbekommen. Übrigens ist es auch für uns erstaunlich gewesen zu sehen, dass die Läden voll sind mit amerikanisch aussehenden (vermutlich in China oder anderswo nachgemachten) Produkten mit all den Namen amerikanischer und internationaler Labels. Und die Leute von 10-50 Jahre laufen auch wirklich mit “Nike” etc. herum. Die USA sind das Reich des Bösen, aber Ihre Sachen zum Anziehen nicht. Die 20 Seiten Reisewarnungen des auswärtigen Amtes für den Iran mögen anwendbar sein, aber sie sind genauso wahr oder unwahr wie die für Deutschland oder Polen. Wir durften uns überall wo wir hingekommen sind frei bewegen und fotografieren. Ein Mal sind wir nicht in den Schrein des Königs des Lichtes hineingekommen, weil wir keinen Pass dabei hatten, ein Mal durften wir nicht mit dem Fotoapparat fotografieren, nur mit dem Handy. Ansonsten gab es keinerlei Einschränkungen.
Mit den Unterkünften ist das schon differenzierter zu betrachten. Willst Du fußläufig nahe der jeweiligen Altstadt sein, gibt es zumeist nur Hostels, also wir würden das wohl als Jugendherbergen bezeichnen. Wer einfachsten Standard nicht akzeptieren kann, sollte zuhause bleiben. Ist die Stadt nicht sehr groß, scheint nur das zu gehen. In den großen Städten wie Teheran, Shiraz oder Mashhad hast Du die Auswahl und auf jeden Fall auch in der Innenstadt 4-5 Sterne Hotels. Unser Guide Soheil war im übrigen der gleichen Meinung bei der Einschätzung der Unterkünfte, war das aber wohl eher so gewohnt. Und im Internet liest sich manches sehr viel schöner als es sich in der Realität darstellt. Unbedingt gesagt werden muss, dass aber alles sehr sauber und ohne irgendwelches Getier war. Auch gab es keinerlei Magen- oder Darmprobleme, obwohl wir auch frisch gewaschenes Gemüse gegessen haben.
Und was uns noch typisch iranisch auffiel war TAROOF. Aber erst nachdem wir darüber aufgeklärt wurden. Taroof ist die Bezeichnung für ein Angebot an Geld/Preis, zum Essen, zum Trinken, für alles mögliche, das man erst zweimal ablehnt, obwohl der Iraner das immer schon akzeptieren wollte. Man lässt sich eben gern ein wenig bitten, will aber von Anfang an das Angebot später annehmen. Vielleicht ein letztes Wort. Es gibt offiziell nirgendwo Bier noch Wein noch hochprozentige alkoholische Getränke. Aber es gibt natürlich Coca Cola, nur die originale, keine ohne Zucker.
Über Turkmenistan ist im Gegensatz zum Iran nicht so sehr viel “Besonderes” zu berichten. Aber es war wunderschön. Ashgabat, übersetzt die “Stadt der Liebe” gehört wohl zu den schönsten Städten der Welt. Mit dem Geld aus Erdöl- und Gasexporten wurde eine weiße Stadt mit viel Mamor, diversen Attraktionen und modernsten wie auch futuristischen Gebäuden und breiten Alleen ab 1948 errichtet. In dem Jahr wurde Ashgabad, damals noch Aschrabad, von einem Erdbeben fast vollständig zerstört. Jedes Gebäude in Ashgabad ist irgendwo anders, hat etwas Besonderes oder ist besonders schön gestaltet. Es gibt das größte geschlossene Riesenfad der Welt, das Hotel Yildiz, das wie das Burj-al-Arab aussieht, aber früher gebaut wurde, einen Hochzeitspalast, ein Verfaasungmonument, ein Neutralitätsdenkmalden Halk Hakudasy Memorialkomplex diverse prächtigste Moscheen und natürlich den russischen Basar (Gulistan-Basar). Unser Hotel ließ an nichts zu wünschen übrig. Wir hatten eine Suite mit Wohn- und Schlafzimmer, geschätzt 70 qm im 11. Stock mit Blick auf die umliegenden Berge, die Hauptmagistrale der Stadt mit den diversen monumentalen Gebäuden der Ministerien Turkmenistans und auf den Fernsehturm, dem höchsten Gebäude der Stadt. All das haben wir uns am 1. und zweiten Tag bis Mittag angesehen, um dann 250 km nach Norden in die Karakum-Wüste zu fahren. 4,5 Stunden für Hin- und 4,5 Stunden für die Rückfahrt auf schlechtestmöglicher Straße. Aber es hat sich gelohnt. Der Darwaza-Gaskrater ist ein “Loch” mitten in der Wüste (Durchmesser 200 m, Tiefe 50 m, der seit 1971 auf Grund von Erdgasaustritt ununterbrochen brennt. Ein Schauspiel, das wir bis zur Dunkelheit abgewartet haben. Grandios, ein hell leuchtendes Feuerloch in mitten der dunklen Wüste, 100 km vom nächsten Dorf entfernt. und wegen der notwendigen Wartezeit bis zum Dunkelwerden und dem weiten Weg zurück sind wir dann erst gegen 1.20 Uhr wieder am Hotel gewesen. Aber zwischen Ankunft und Kraterbesichtigung im Dunkeln gabv es noch ein zünftiges Barbeque mit Hühnchen und Lamm in einem Jurtendorf.
Am letzten Tag in Turkmenistan haben wir Köw-Ata (Vater der Höhlen”) 150 km westlich von Ashgabad, besucht. Köw-Ata ist eine Höhle, die auf 275 Stufen ca 150 m nach unter bis zu einer Thermalquelle mit 37 Grad warmem Wasser führt. Bei so vielen Stufen, die wir natürlich auch wieder hoch mussten, und einer Leuchtfeuchtigkeit von gefühlten 100 % kamen wir ganz schön ins Schwitzen. Man hätte nselbstverständlich unten auch baden können. Wussten wir vorher aber nicht. Und zu gesund ob des Thermalbades wollten wir doch auch nicht werden. In der naheliegenden Stadt Gökdepe haen wir uns dann noch die Moschee, die Festung und das Gökdepe-Museum angesehen. Es folgte der “tierische” Teil der Reise, denn wir durften hautnah in Kontakt mit den berühmten Achal-Tekkiner Pferden, den turkmenischen Alabai-Hunden und den Dromedaren Kontakt aufnehmen. Was uns noch auffiel: Auf Ordnung wird sehr geachtet in Turkmenistan ! Wer alles richtig und gemäß Straßenverkehrsordnung macht, bemerkt das nicht. Aber wer zu schnell fährt, wird abkassiert. 90 % scheinen sich daran zu halten, und die anderen werden eben einfach angehalten und abkassiert. Und das gefühlt alle 5 Km.
So endete eine wunderbare Reise. Um 1.15 Uhr in der Nacht wurden wir vom Hotel zum Flughafen gebracht, um 3.20 Uhr ging der Flieger nach Istanbul und gegen 12.00 Uhr waren wir wieder daheim. Die 15-18 Grad zuhause waren nach zwei Wochen mit fast immer zwischen 30 und 35 Grad bei gleißendem Sonnenschein eine wahrhaftige Umstellung. Wir könnten noch viel erzählen, aber das muss für jetzt und hier reichen. Wir hatten eine phantastische Reise, abenteuerlich, aufregend und mit vielen unerwarteten Eindrücken. Niemals bisher waren wir auf unseren …zig Reisen den Leuten im Land so nahe. Wir hatten einen ausgezeichneten Guide im Iran, der sich quasi das Hinterteil aufgerissen hat, um alles Mögliche möglich zu machen, und einen jungen, noch lernenden Guide in Turkmenistan, der es dennoch alles sehr zu unserer Zufriedenheit gemacht hat.
